Brauereibesichtigung

Einer der schönsten Hobbykeller den MuM in den letzten Jahren zu Gesicht bekommen hat ist der eines Hobbybrauers im Ardinger Land. Und so wurde der Besuch zu einer ausgedehnten Brauereibesichtigung. Mit Passion und Fachwissen ist hier ein Männertraum in Erfüllung gegangen. Wer das Bier einmal gekostet hat wird bestätigen, dass sich die Arbeit im Zeichen des Gerstensaft gelohnt hat.

In der Ardinger Milchkandl`brauerei wurden die namensgebenden Edelstahltanks einer Molkerei in alltagstaugliche Brauwerkzeuge verwandelt. Der Weg des Bieres geht hier von der Maischepfanne (weißer Bottich)  in den nebenstehenden Läuterbottich (rechts) und dann zurück in die Maischepfanne welche durch Ihre Isolierung auch als Würzepfanne verwendet wird. Das nächste Milchkandl ist der Whirlpool, hinter dem Flaschenabfüllgestell. Danach muss der warme Gerstensaft über den Würzekühler (nicht im Bild) heruntergekühlt werden um dann in den Gärbottichen bzw. Lagertanks im Kühlhaus auszureifen. Bierbauen ist eigentlich ganz einfach – möchte man schnell meinen.

Aber wer dem hingebungsvollen Brauer einmal bei der Didaktik der Bierchemie zugehört hat, dem wird schnell klar: Da steckt mehr dahinter! Der Unterschied vom obergärigen und untergärigen Gersensaft ist schnell und bildlich erklärt. Etwas chemisch wird es aber dann schon bei den Stärke abbauende Amylasen – zu viel Chemie für MuM zumindest.  Daher ein interessanter Link für die Nachwelt zur Seite „Bierbrauen“ von Christian Sauer und Markus Bauer vom Institut Dr. Flad ag-chemieschulen.de

Das Herz höher schlagen lassen aber auch andere Details des Ardinger Braukuchl`s. Neben einer Werkstatt in der die vielen selbsterbrachten Arbeitsstunden förmlich abzulesen sind, der Bierbehältersammlung von der 0,5ltr bis zur 50ltr  Klasse sticht insbesondere die moderne Ornamentik der Braupassion ins geschulte Auge: Ein symbolhaftes Bandornament aus 4-farbigen Wandfliesen.

Ornamentik und Farbenlehre in der Braukunst

Ein endloses Bandornament aus 4 schräggestellten Farbquadraten in der Abfolge blau (Brauwasser),  beigegelb (Gerste), grün (Hopfen) und blassviolett (Maische)  bilden die Grundlage der Farbenlehre des Brauereiwesens. Genial wird die Ornamentik jedoch erst durch die flankierenden 1/4 Flie`ßen, welche verschnittfrei die Hauptelemente begleiten. Das Muster ist vom Brauer selbst aus rationalisierungsgründen entworfen worden und ist vermutlich daher noch nicht einmal in der Xistá von Pyrgí von Winfried Scharlau enthalten:

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Angeregt durch die vielen Informationen wurde es bei unserem Besuch nur Zeit für eine kleine Bierprobe, bei der wir gerne länger geblieben wären. Sehr erwähnenswert ist neben dem einzigartigen Biergeschmack insbesondere der sahnige Schaum der gar nicht erst zusammenfallen wollte – wie es in Biergärten und Festen heutzutage üblich ist. Unser Brauer hat uns dazu erläutert, dass der Bierschaum, ähnlich den Schlieren eines guten Weins, in Ringen ausgehend vom jeweiligen Füllstand und Schluckgröße am Bierglas ablesbar ist. Hätten wir die Gläser nicht gleich geleert würde der Schaum vermutlich heute noch als Trockenschaum darin stehen.



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